Seit seiner Einführung im Schuljahr 2006/17 ist Ethik das jüngste Fach des gesellschaftswissenschaftlichen Themenfeldes und wird von der siebten bis zur zehnten Klasse als reguläres, versetzungsrelevantes Fach mit zwei Wochenstunden unterrichtet. Abgeleitet vom griechischen Wort Ethos („Sitte, Gewohnheit“) bezeichnet die Ethik einen Teilbereich der Philosophie, der sich mit praktischen Fragen der Lebensführung, den Bedingungen und Regeln menschlichen Handelns und Tuns auseinandersetzt. Über allen Teilfragen der Disziplin kreist dabei die übergeordnete Frage nach einem guten, gelingenden Leben im Einklang mit sich selbst und mit anderen menschlichen sowie nicht-menschlichen Wesen.

Das Fach Ethik scheint manchmal fälschlicherweise zu suggerieren, dass es hierbei vor allem darum ginge, alles und letztlich doch nichts zu sagen. Doch anstatt weder ein zielloses Laberfach noch eine Bekenntnisstunde zu sein, konzentriert sich der Unterricht im Fach Ethik darauf, Lernende anhand von alltäglichen Beispielen und Problemfällen dazu zu befähigen, verschiedene Perspektiven einzunehmen und systematisch aufeinander zu beziehen. Sie sollen tragende Argumente analysieren und eigene wie fremde Positionen schlüßig begründen, um diese letztlich anderen mitzuteilen und aufeinander nach Regeln des fairen Dialogs zu reagieren. Folglich zielt das Fach nicht darauf ab, dass am Stundenende alle zwangsläufig die selbe Position vertreten, sondern vielmehr darauf, dass jeder - durch angeleitete Reflexion und konstruktiven Austausch - auf Basis der tragfähigsten Argumente und Kriterien ein eigenes Urteil fällen kann.

Thematisch wie konzeptionell hat das Fach Ethik das Privileg einer besonderen Offenheit für Themengegenstände und ist explizit offen für Vorschläge der Lernenden. Was aber alle Themen verbindet, ist die besondere ethische Perspektive, unter welcher jeweilige Themen behandelt werden. Erläutern lässt sich dies anhand eines Beispiels: Im Fach Ethik lässt genau wie in Fächern wie Deutsch oder ITG der Umgang mit neuerer Technik behandeln. Allerdings geschieht dies hier weniger, um technische Abläufe oder Funktionsweisen zu klären. Im Fach Ethik würde es nämlich eher darum gehen, a) inwiefern diese Technik Menschen Freiheiten gibt oder nimmt, b) inwiefern sie ihre Benutzer bei der Realisierung von bestehenden Bedürfnissen unterstützt oder neue erzeugt, c) ob sie ein Fluch oder ein Segen ist oder d) wann man kontrolliert mit ihr umgeht und ab wann nicht mehr. Für all diese Positionen der skizzierten Debatte gibt es nun gute und weniger gute Argumente. Diese zu vergleichen und kritisch abzuwägen, ist dann die Arbeit des Unterrichts.

Spätestens ab der zehnten Klasse nehmen ganz gezielt die Auseinandersetzung mit philosophischen Theorien und damit die ideengeschichtliche Perspektiven eine größere Rolle ein. Die Lernenden werden so schrittweise an das Wahlpflichtfach Philosophie in der Oberstufe herangeführt. In der zehnten Klasse ist Ethik ferner ein optionales Fach für die Präsentationsprüfung im Rahmen des mittleren Schulabschlusses (MSA) und wird hier auch erfahrungsgemäß gerne sowie erfolgreich gewählt.

 M. Druve

 

 

Die folgende Tabelle veranschaulicht, mit welchen allgemeinen Themenbereichen sich Schülerinnen und Schüler im Ethikunterricht auseinandersetzen und wie diese im Unterricht konkret behandelt werden können.

 

Themenfeld

Mögliche Problemfragen im konkreten Unterricht

Identität und Rolle

Was zeichnet mich als Person aus? Was heißt es, ein guter oder ein schlechter Freund zu sein? Wie verhalte mich zu Erwartungen, die Eltern, Freunde oder Lehrer an mich stellen?

Freiheit und Verantwortung

Was bedeutet es, frei zu sein? Wer oder was schränkt meine Freiheit ein? Habe ich eine Verantwortung gegenüber meiner Umwelt und anderen Lebewesen? Welche Pflichten hat unsere Gesellschaft gegenüber Schwächeren?

Recht und Gerechtigkeit

Haben alle Menschen die gleichen Chancen im Leben, in der Schule oder auf dem Arbeitsmarkt? Wie kann ich Güter gerecht verteilen, wenn nicht genug für alle vorhanden sind? Welchen Sinn haben Strafen? Ist eine Gesellschaft ohne Strafen wünschenswert?

Mensch und Gemeinschaft

Warum leben in Menschen eigentlich nicht allein, sondern in Gesellschaften? Welche Vorteile und welche Nachteile hat es für die einzelne Person vergesellschaftet zu leben? Führt die technische Entwicklung immer zu Fortschritten?

Pflicht und Gewissen

Welche Grundsätze bestimmen unser Handeln? Was bedeutet es, moralisch richtig zu handeln? Wovon hängt es ab, was wir für richtig halten und was für falsch? Was ist das Gewissen und wo kommt es her?

Wissen und Glauben

Was heißt es, etwas zu wissen? Wie kann ich überprüfen, ob etwas wahr ist? Gibt es ein Leben nach dem Tod? Inwiefern ähneln und unterscheiden sich die großen Weltreligionen?